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Von Gutmenschen und moralischer Wächteraufgabe
Auch in der schönsten Idylle kann man die Sau durchs Dorf treiben; wenn der ein oder andere dabei sogar eine Plattform für seine eigene Kampagne findet, dann vergebe ich sogar persönlich als Sensationsschwein, den Journalistenpreis an bessere PR-Berater.

In Olaf Lies (SPD) muß schon ein eigentümliches Gefühl inne wohnen, wenn er von Politik und Moral spricht, analog dazu das Fehlverhalten von Bürgermeister Roland Schiefke in einer Radiosendung anprangert und im Gegenzug, den Rücktritt von Käßmann mit den Worten: „Der Rücktritt von Käßmann ist sehr bedauerlich. Sie hat das offene Wort nie gescheut und hat Kirche ein Gesicht gegeben.“, in seinem Twitteraccount kommentiert. Entweder ist gottlose Steuerhinterziehung schlimmer wie eine betrunkene Fahrt mit Gott über eine rote Ampel (In der Fastenzeit) – oder die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei dem Thema „Menschlichkeit“ wird bei der SPD gerade so gelegt, daß es zum jeweiligen Thema paßt. Nur gut, daß jede Situation durch Zufall und Notwendigkeit entsteht.

In der Talksendung (Nordwestradio unterwegs ) vom Nordwestradio zum Thema „Streit um die Abwahl des Bürgermeisters von Brake“ – konnten alle Beteiligten ihren Ärger dann doch noch unter der restlichen Menschheit multiplizieren und den Titel der Sendung imaginär in „Stirb langsam“ schwenken. Das Dumme daran ist ja, Schiefke gab seinen steuerlichen Fehler immer noch zu und deshalb wurde kurzerhand Dr. Peter Zudeick, langjähriger bundespolitischer Korrespondent der ARD in Bonn und Berlin, live zugeschaltet, um den Zuhörern nochmals philosophisch zu bestätigen, daß Schiefke einen Fehler gemacht hat; das war sehr wichtig, denn schließlich hat der Mann ein Buch geschrieben.

Urplötzlich beklagte sich sogar Herr Frank Jungbluth, früherer Pressesprecher der Stadt Hamm und heute irgendwie Journalist, über die perfiden Beschwerdemails vom bösen Bürgermeister Schiefke (Soweit kommt es noch, daß mündige Bürger sich zur Wehr setzen), mit Inhalt über die nicht ganz so solidarische Schiefke-Berichterstattung in der NWZ (Nordwest-Zeitung). Dann sprach Jungbluth sehr selbstsicher über die vierte Säule im Staat und die sehr wichtige Wächteraufgabe der Journalisten. Wer in seinem Twitteraccount schaut (Paperback39 ), wird schnell feststellen, daß diese Aussage an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist.

In einem Tweet zitiert er Voltaire und würde sein Leben für eine andere Meinung lassen und im nächsten Tweet werden Blogger in eine Schublade mit der Gestapo geschoben. Plötzlich kommt mir eine Passage aus Goethes Faust in den Sinn, die im Ur-Faust wegen der Zensur – qua Amtes – noch keinen Platz fand: „…ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben, Sie welkten hin, ich muß erleben, daß man die frechen Mörder lobt.“ - Kultur zitieren und nach Kultur zu leben, sind zweierlei Maß. Und wer mit Dreck schmeißt, der muß auch bekanntlich im Dreck stehen, um damit auch schmeißen zu können. In dieser sehr merkwürdigen Situation liegt der Verdacht nahe, daß Herr Jungbluth entweder die journalistischen Grundsätze nicht verstanden, oder eben Voltaire nur überflogen hat – Schlußendlich bin ich sogar teilweise mit ihm solidarisch: „Selig sind die geistig Armen“.

Bei dieser, doch sehr theatralischen, bühnenreifen Berichterstattung über Fehler mit Begriffen wie „Wahlkampf“, habe ich beschlossen kein Journalist mehr zu sein, sondern vielmehr als ein innerstaatlicher Kriegsberichterstatter zu fungieren. Denn wenn Parteien nicht mehr nach den besseren Lösungen suchen und Journalisten sich in devotester Haltung über ihre Themenpartner beklagen, dann kann ich mir doch Inhalt und Recherche ersparen und produziere künftig nur noch polemische Doku-Soaps mit realen und greifbaren Menschen. Anschließend exportiere ich diese in unsere Nachbarländer und zeige damit, was Grausamkeit wirklich bedeutet.

PS: Wir sind alle kleine Sünderlein

 
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DBV Oldenburg (Oldb)

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